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Blog | 9. Dezember 2020

Video-on-Demand: Die Kultur auf Abruf

Immer öfter hört man diese Tage von «Video-on-Demand». Doch was genau steckt dahinter? Wo liegen die Unterschiede zum Livestream, welche Vorteile bietet das neue Format für Produzent und Nutzer? Manuel Reinhard, Geschäftsführer von stream21-Partner Ticketpark, beantwortet unsere Fragen. Der Ticketingdienstleister bietet Livestream und Video-on-Demand selbst auch über seine Plattform an.

Manuel Reinhard, was genau steckt hinter dem Begriff «Video-on-Demand»? Und was unterscheidet einen Livestream von einem Video-on-Demand?

Im Gegensatz zu einem Livestream wird ein Video-on-Demand nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt gezeigt, sondern jeder Zuschauer kann selbst entscheiden, wann er es sich anschauen möchte. Es steht eben «on demand» zur Verfügung, also auf Abruf. Kauft man sich einen Zugang zu einem Video-on-Demand, erhält man in der Regel ein bestimmtes Zeitfenster, in welchem man den Inhalt anschauen kann – auch mehrmals, wenn man dies möchte.

Wo liegen die Vorteile des VoD für Kunstschaffende?

Künstlerinnen und Künstler können durch Video-on-Demand zusätzliches und auch neues Publikum erreichen. Im Gegensatz zum Veröffentlichen einer Produktion auf einer Plattform wie YouTube, wird der Inhalt bei einem Video-on-Demand nicht verschenkt, sondern kostenpflichtig und zeitlich limitiert zur Verfügung gestellt. Man eröffnet sich also eine weitere Einnahmequelle.

Würde man nicht noch mehr Publikum erreichen, wenn diese Videos kostenlos wären?

Die Bezahlschranke ist entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung. Digitale Kanäle werden unweigerlich weiter an Wichtigkeit zunehmen und es ist für Kulturschaffende entsprechend relevant, darüber auch Einnahmen zu generieren.

Man kann dabei aus Fehlern von anderen lernen: In den Anfangszeiten des Internets haben Zeitungsverlage ihre zuvor kostenpflichtigen Inhalte online grosszügig verschenkt. Dadurch wurde eine ganze Generation daran gewöhnt, dass News keinen Gegenwert haben und immer und überall kostenlos bezogen werden können. Diese Menschen nun zu zahlenden Kunden zu machen ist eine Herkules-Aufgabe. 

Eine solche Entwicklung wäre für die Bühnenkunst fatal. Es kommt also drauf an, die Kontrolle zu behalten und dabei die richtige Mischung zu finden: Einige Inhalte können zu Promotionszwecken kostenlos auf YouTube und in den sozialen Medien verfügbar gemacht werden. Das eigentliche Produkt, das es bisher nur im Kulturhaus zu sehen gab, sollte aber seinen Wert behalten und kostenpflichtig bleiben.

Welche Möglichkeiten hab ich als Publikum ein Video-on-Demand zu schauen? Muss ich technisch besonders ausgestattet sein?

Der Zugang zu einem Video-on-Demand ist keine Hexerei: Wer in der Lage ist, online eine Event-Ticket zu kaufen, dem gelingt es auch, den Zugang zu einer Kulturproduktion als Video-on-Demand zu erwerben.

Für den Zugang zu Produktionen, die auf unsere Plattform von Ticketpark setzen, ist der Prozess sogar exakt derselbe, nur dass man am Schluss statt einem Ticket zum Herunterladen den Link zum Video erhält – obs nun ein Video-on-Demand oder ein Livestream ist. Diesen Inhalt kann man sich dann auf dem Computer, dem Tablet oder dem Smartphone anschauen. Wer einen SmartTV oder ein Gerät wie Apple TV oder Google Chromecast besitzt, kann die Inhalte auch auf den grossen Fernseher im Wohnzimmer übertragen.

Und wie siehts technisch für den Veranstalter aus?

Die Produktion eines Video-on-Demands erfordert natürlich einen gewissen Aufwand. Licht, Bild und Ton müssen im Endergebnis stimmen. Dazu braucht es vermutlich die Unterstützung von Profis aus der Videoproduktion, vergleichbar mit einem Livestream. Wenn das Video fertig ist, muss es auf einer Plattform veröffentlich werden, welche sicherstellt, dass nur Zugriff auf den Inhalt bekommt, wer dafür bezahlt hat. Wir bieten bei Ticketpark diese Dienstleistung an. Auch Videoplattformen wie Vimeo haben solche Angebote.

Sollte ich als Kunstschaffende/r eher auf Livestreaming oder auf Video-on-Demand setzen?

Auch wenn die beiden Formate auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen, gibt es entscheidende Unterschiede. Fallhöhe und Vergänglichkeit sind besondere Eigenschaften des Livestreams. Bei einem Video-on-Demand gibt es diese Nähe weniger. Dafür hat man den Vorteil, dass eine Post-Production möglich ist. Die Aufnahme kann geschnitten und anderweitig verbessert werden, bevor sie veröffentlicht wird. Das Publikum ist sich dessen aber auch bewusst und verzeiht darum weniger Fehler. Es erwartet eine geschliffenere Produktion als bei einem Livestream.

Nebst den technischen Unterschieden spielt auch die gewünschte Verfügbarkeit eine Rolle, um die richtige Entscheidung zu treffen. Als Video-on-Demand lässt sich beispielsweise eine Theaterproduktion weiterverwerten, welche in dieser Form nicht mehr aufgeführt wird. Eine weiterhin aktive Produktion hingegen kann mit einem Livestream ein potentiell viel grösseres Publikum erreichen, ohne sich dabei selbst zu konkurrieren. Es handelt sich dabei einfach um eine Erweiterung der Zuschauerränge ins Wohnzimmer des Publikums.

Ticketpark ist Partner von stream21.

Manuel Reinhard, Geschäftsführer des Event-Ticketinganbieters Ticketpark GmbH

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