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Blog | 20. Januar 2021

Warum auch Online-Events etwas kosten müssen

Ein Gastbeitrag von Maximilian Pohl, Verantwortlicher Internet- und Live-Streaming-Lösungen bei eventnet.de

Online-Events sind bedingt durch die Corona-Pandemie so wichtig wie nie zuvor. Dabei etablierte sich ein gefährliches Paradigma, das sich vielerorts bis heute gehalten hat: «Es ist ja nur online». Noch heute werden viele Livestreams unter ihrem Wert verkauft – ein Umstand, der dringend einer Änderung bedarf.

Den Gästen ein Erlebnis mit Mehrwert bieten

Livestreams kostenfrei anzubieten ist grundlegend keine schlechte Idee um Teilnehmende erst mal an diese neuen Formate heranzuführen. Nicht selten wurde aber die Gelegenheit verpasst, Teilnehmende mit einer Qualität zu überzeugen, für die diese auch zu zahlen bereit sind.

Es ist erstaunlich, dass das, was bei Präsenzevents, ob Kultur oder Business, seit Jahren Selbstverständnis ist, bei Online-Events noch selten Anwendung findet. Aspekte wie die Location, Bühnengestaltung, Licht und die gesamte Atmosphäre spielen eine grosse Rolle. Man möchte den Gästen ein Erlebnis bieten und jene bemessen daran auch den Wert des Events.

Anders als bei Präsenzevents gibt es für Online-Produktionen allerdings kaum ein bewährtes Vorgehen. Die Eventbranche war gezwungen sich innerhalb kürzester Zeit neue Formate zu erdenken. Und das sowohl technisch, inhaltlich als auch dramaturgisch. Gute Events kosten Geld, da machen digitale Formate keine Ausnahme. Aber natürlich ergeben sich daraus auch Ansprüche und Erwartungen seitens der Teilnehmer.

Kreativität für neue Formate ist gefragt

Es ist nun die Aufgabe der Veranstalter kreative Ideen zu entwickeln. Denn Events einfach ein zu eins ins Internet zu streamen, wird nicht funktionieren. Das Medieninternet hat seine eigenen Regeln. Die Eventbranche muss nun Konzepte entwickeln, die gleichermassen modern wirken, den Vorteil des Live-Charakters ausspielen und einen monetären Sweetspot finden. Was sind Online-Events wert, was sind Teilnehmer bereit zu zahlen und was sind die entscheidenden Faktoren, die das bestimmen?

Letztendlich müssen sich Teilnehmer gut unterhalten und in das Geschehen eingebunden fühlen. Events leben vom dabei sein und das lässt sich, bis zu einem gewissen Grad, auch online imitieren. Durch Interaktion, Atmosphäre und eine gute Dramaturgie, die zum Dranbleiben einlädt. 

Was nichts kostet ist nichts wert

Preis kommuniziert Wert. Von dem Effekt, dass Dinge für die man bezahlt, generell als wertiger empfunden werden als kostenlose Dreingaben, bleiben auch Events nicht verschont. Der Weg zu einem bewährten Preisgefüge wird steinig und es wird auch Formate geben, die einfach nicht ins Internet passen. Doch mit Geduld, Mut und viel Feedback werden sich auch hier Branchenstandards entwickeln.

Spendenangebot, Paywall oder Ticketverkauf – Online-Events müssen aus der Kostenlos-Kultur raus, denn gute Events kosten nun mal Geld und sind für die Menschen, die daran Arbeiten, auch deren Existenzgrundlage. Der positive Nebeneffekt: Hat man auf einmal Budget sind auch ganz andere Qualitätssprünge möglich, die bei den Teilnehmenden für eine steigende Akzeptanz für kostenpflichtige Events sorgen werden. Die Musikbranche hat es geschafft, die Filmbranche hat es geschafft und die Verlage sind zumindest dabei. Der Eventbranche wird es daher ganz sicher auch gelingen. 

Gute Ideen und professionelle Umsetzung für Online-Events mit Zukunft

Den Gedanken «ist ja nur online» sollte man dringend für alle Zeiten vergessen. Mit Liebe zum Detail, Experimentierfreudigkeit und Berücksichtigung der Eigenheiten des Mediums Internet lassen sich tolle Live-Formate entwickeln, die Teilnehmer auch vor ihren Bildschirmen begeistern. Dafür müssen gute Ideen auf professionelle Umsetzung treffen um neue, digitale Formate zu erschaffen, die vielleicht auch in Zukunft, in einer Zeit nach der Pandemie, ein ganz selbstverständlicher Teil von Veranstaltungen werden.

Für die Veranstalter wird sich das langfristig auszahlen. Denn ganz nebenbei – «ausverkauft aus Platzgründen» gibt es im Internet nicht und Online-Events ermöglichen auch Menschen eine Teilnahme, die zu weit weg wohnen oder aus gesundheitlichen Gründen gar nicht an Präsenzevents teilnehmen können. Vielleicht werden Hybrid-Events, die sowohl eine Präsenz- und eine Online-Teilnahme ermöglichen, schon bald der neue Standard und für Teilnehmer und Gäste eine gleichberechtigte Alternative mit unterschiedlichen Preismodellen. Das hilft am Ende allen und würde einmal mehr das alte Sprichwort bestätigen, dass Not letztlich doch erfinderisch macht.

Maximilian Pohl, Verantwortlicher Internet- und Live-Streaming-Lösungen bei Eventnet.de

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